Initiative Fichtebunker: Die GUTEN GEISTER



Der letzte mauerverkleidete Gasometer wird zum Luxusloft. Anstatt einen öffentlichen Raum zur geschichtlichen Auseinandersetzung über 170 Jahre Berlin - von den Anfangsjahre der Gasherstellung und der Industrialisierung über den sechsgeschossigen Ausbau von Bunkerschutzräumen im zweiten Weltkrieg über die Nutzung als Obdachlosenheim - wird der Fichtebunker Privateigentum von Bankern und der Fussballplatz nebenan kommt auch noch weg? Und...natürlich keiner ausser der Immobilienfirma select properties Berlin und die potentiellen Investoren wurden gefragt.

Gegen diesen Umgang mit dem Denkmal wehren sich die Bürgerinnen und Bürger innerhalb der INITATIVE FICHTEBUNKER. Das Projekt GUTE GEISTER für den Fichtebunker dokumentiert diesen Widerstand, sowie die reiche Geschichte des Fichtebunkers. Ein Diskursrahmen für den Umgang mit Geschichte und Denkmal soll hier entstehen.

Politik, Investoren und AnwohnerInnen:
Zurecht wütend kämpft die Initiative der GUTEN GEISTER gegen die Bevormundung der lokalen politischen Ebene, die AnwohnerInnenbeteiligung wohl als Information nach Abschluss der Umwälzung von Stadtvierteln versteht. Blöde auch, dass sie noch dazu unangenehme Fragen stellt:
Wieso haben Sie das im Sommer gegebene Versprechen, die Anwohner rechtzeitig einzubeziehen nicht eingelöst und erst auf massives Drängen diese Informationsveranstaltung angesetzt? Kann die öffentliche Aufgabe Denkmalschutz durch privatrechtliche Verträge erfüllt werden? Lässt sich Denkmalschutz privatisieren? Welche Kosten sind beim bisherigen Unterhalt des Bunkers angefallen? In welchem Verhältnis stehen sie zu Folgekosten, wie sie bei einer Korrektur von massiven sozialen Veränderungen im Kiez entstehen würden.

Geschichte des Gasometers in der  Fichtestraße 4-12 (Kreuzberg):
Der Gasometer ist der älteste erhaltene Gasbehälter in Berlin und zugleich der letzte mit Mauerwerkverkleidung. Während der 170-jährigen Geschichte der Gasindustrie dienten die Gasbehälter als Speicher zwischen den Produktionsstätten und den Verbrauchern. Im Volksmund hat sich die Bezeichnung Gasometer aus den Anfangsjahren der Gasherstellung erhalten; aber mit Einführung der Gasmesser war ihre Messfunktion vorbei. Von 1874 bis 1876 waren in der Fichtestraße vier Gasbehälter errichtet worden, von denen sich der letzte Gasometer erhalten hat. Er hat einen Durchmesser von 54,60 m und fasste 30 000m³ Gas. Die Ummauerung entstand nach Entwürfen von Eugen Reissner und entspricht dem Typenentwurf für die Berliner Städtischen Gaswerke. Der gelbe Klinkerbau ist durch umlaufende rote Gesimsbänder, je 32 Rundbogenfenster in zwei Geschossen und ein feines rot-gelbes Schmuckband aus Tonfliesen gegliedert. Überspannt wird er von einer so genannten Schwedlerkuppel, ein gewölbtes filigranes Eisengerüst aus 32 radialen Sparren mit kreuzweise diagonal laufenden Zugstangen, die von Johann Wilhelm Schwedler (1823­ bis 1894) entworfen wurde. In den Kriegjahren 1941/42 baute man in die Mauern des Gasbehälters eine Bunkeranlage in sechs Geschossen mit 750 Schutzräumen. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Bunker als Flüchtlingslager, Rückkehrerheim und Obdachlosenasyl. In den 1960er Jahren erfolgte ein Umbau zur Einlagerung der Senatsreserven, die sich hier bis zur Vereinigung Berlins befanden. Der Gasometer steht unter Denkmalschutz.